Der seltsamste Ozean-Rekordhalter. Vor uns liegt der Mondfisch (Mola).
Hallo Liebhaber der ungewöhnlichen irdischen Fauna. Heute geht es nicht in die Savanne oder in den Tropenwald, sondern direkt ins offene Meer – wo ein Lebewesen schwimmt, das man offenbar vergessen zu zeichnen versucht. Und um ehrlich zu sein: Als ich seine Silhouette zum ersten Mal sah, sah es so aus, als hätte jemand einen Fisch aus Pappe ausgeschnitten und dabei die Hälfte der Details verloren.
Stellen Sie sich eine Scheibe mit Flossen vor, als ob der Deckel eines riesigen Topfes mit zwei kräftigen Flossen ausgestattet und ins Meer geschleudert würde. Weder der übliche Schwanz, noch der längliche Körper – als ob die Hälfte des Fisches sorgfältig abgeschnitten worden wäre. Und so schaut man sich dieses Lebewesen an und fragt sich unwillkürlich: Ist das überhaupt ein Fisch?
Vor uns liegt der Mondfisch (Mola). In manchen Ländern wird er Mondfisch genannt, aber der Name ,,Mondfisch" passt viel besser zu seinem blassen, fast porzellanfarbenen Farbton.
Es kommt in fast allen Ozeanen vor – von den gemäßigten bis zu den tropischen Breiten. Am häufigsten ist er in den oberen Wasserschichten zu sehen, kann aber auch tiefer als achthundert Meter sinken.
Das ist wirklich ein Koloss: Die Länge einzelner Individuen übersteigt drei Meter und das Gewicht kann mehr als zwei Tonnen und siebenhundert Kilogramm erreichen – das ist ein Rekord unter Knochenfischen. Und das alles ohne Schwanz im üblichen Sinne und mit einem Körper, bei dem im Laufe der Evolution die Beckenwirbelsäule und die Rippen verloren gegangen sind.
Bemerkenswert ist, dass die Wirbelsäule des Mondfisches im Verhältnis zur Körperlänge eine der kürzesten unter den Fischen ist und statt eines Schwanzes einen sogenannten Clavus hat – eine Klinge, die aus verwachsenen Rücken- und Afterflossen besteht. Die Wirbel sind teilweise verwachsen, wodurch die Beweglichkeit im Bereich der Mittelflossen erhalten bleibt – der Minimalismus der Gestaltung wird fast ad absurdum geführt.
Dieser ungeschickte Koloss ernährt sich hauptsächlich von Quallen und anderen langsam schwimmenden Lebewesen. Oft ist der Mondfisch in der Nähe der Oberfläche zu sehen: Dort erwärmt er sich nach tiefen Tauchgängen und ermöglicht Seevögeln das Abpicken von Parasiten. Ich muss sagen, das Bild ist rührend – ein Riese und kleine Pfleger.
Das Alter dieser Fische lässt sich ungefähr anhand der Farbe bestimmen: Je älter das Individuum, desto heller ist seine Haut. Er wird offenbar grau, sozusagen wegen der Seesorgen.
Nicht der anmutigste, nicht der schnellste, aber der schwerste unter den Knochenfischen. Manchmal reicht das aus, um Meeresgeschichte zu schreiben.