,,Metallmonster" aus unseren Wohnungen. Was ist das für ein Tropfen Quecksilber, der im Haus herumschwebt?
Hallo Liebhaber der ungewöhnlichen irdischen Fauna. Um unseren heutigen Gast zu treffen, müssen Sie nicht in den fernen Dschungel des Kongo oder in die Sümpfe des Pantanal reisen. Alles, was Sie tun müssen, ist mitten in der Nacht aufzustehen und das Licht im Badezimmer anzuschalten ...
Ich bin mir sicher, dass viele von Ihnen schon einmal auf dieses wie aus Metall gegossene Geschöpf gestoßen sind, das wie ein kleiner silberner Fisch an den Wänden entlang ,,schwimmt" und unterwegs kurze Stopps einlegt. Wer ist das?
Nun, lernen wir ihn kennen – den Silberfischchen (Lepisma saccharinum), eines der allerersten Insekten auf unserem Planeten, das lange vor den Dinosauriern zu Beginn der Devonzeit, vor etwa vierhundertzwanzig Millionen Jahren, auftauchte.
Zu dieser Zeit zerfiel der Superkontinent Gondwana nicht in Afrika, Südamerika, die Antarktis, Australien, Indien, Arabien und Madagaskar, wodurch diese Kreaturen fast auf der ganzen Welt verbreitet sind (da Südamerika mit Nordamerika und Indien und Arabien mit Eurasien verbunden sind).
,,Metallbabys", Eingeborene tropischer Regionen, verbreiten sich wie Quecksilbertröpfchen über die Welt und hinterlassen dabei alte Gewohnheiten – die Liebe zu Wärme und Feuchtigkeit.
Deshalb ist der wahrscheinlichste Ort im Haus, an dem sie zu finden sind, das Badezimmer. Sie sind auch in Kellern zu finden, insbesondere wenn Sie dort alte Bücher oder Zeitungen aufbewahren.
Tatsache ist, dass Silberfische wie alle Lebewesen der Antike (wie ich zum Beispiel) gerne lesen. Aber das ist nicht das Einzige, was sie an Büchern reizt. Der Hinweis liegt in ihrem lateinischen Namen, genauer gesagt im spezifischen Beinamen – Saccharinum – Zucker.
Das Insekt ernährt sich von Zucker, und die Zellulose, aus der Papier hergestellt wird, ist bekanntlich mit Zucker identisch. Und obwohl das Insekt für den Menschen ungefährlich ist (es beißt nicht und ist kein Krankheitsüberträger), scheint es dennoch ein Schädling zu sein, da es neben Büchern auch Klebstoffe auf natürlicher Basis, Haare, Schuppen, Kleidung und sogar synthetische Stoffe fressen kann. Und wenn es Wasser gibt, kann er zwei Jahre lang verhungern und auf ein passendes Buch oder zumindest eine Rolle Toilettenpapier warten.
Ungewöhnlich ist auch das Paarungsritual der Silberfischchen. Zunächst flirtet das Paar etwa zehn Minuten lang locker, steht sich gegenüber und tauscht mithilfe von Antennen Witze und romantische Bemerkungen aus. Wenn das Männchen das Weibchen mag, beginnt es wegzulaufen und wird von seiner Geliebten gefangen. Und wenn sie verspielt genug ist, bekommt sie schließlich den Vater ihrer zukünftigen Kinder. Man muss in der Lage sein, einen guten Kerl zu fangen. Fast wie Menschen.